meditieren in gigantischer natur

Steckst du fest, dann sitz still – meditieren, einfach und wirkungsvoll

Tool: Meditation.

Ich teile hier etwas, das buchstäblich mein Leben veränderte. Es hat mir nicht nur aus einer wirklich signifikanten Sackgasse herausgeholfen, sondern mitgewirkt, meinen Lebensfokus neu zu setzen.

Die Sprache ist vom Meditieren.
Ein Wort, das (mal wieder) mit viel zu viel Vorstellungen und Druck verknüpft ist.

Deswegen mag ich hier nicht nur von meiner Liebesgeschichte mit diesem Mittelchen erzählen, sondern auch davon, wie mein Einstieg von eher „puh, zu kompliziert“ zu „einfach mal machen“ erfolgte.

Achtung Achtung! Dieses Tool hat enorme und unkalkulierbare Wirkung auf sämtliche Bereiche deines Lebens.
Es könnte sein, dass du Dinge hinterfragst, die dir bequem sind.
Es könnte sein, dass du diese Dinge dann ändern magst und du dich jenseits deiner Komfortzone aufhältst (und diese womöglich erweiterst, aka „Wachstum“!).
Und – auch ganz gefährlich – es kann gut sein, dass du anfängst, dich selbst anzunehmen und zu lieben (wuhuu!) und daraus (möglicherweise ebenso unbequeme) Konsequenzen zu ziehen.

Wenn du also meinst, dass dein Leben besser so bleibt, wie es ist, du deine Ideen von der Welt und dir selbst statisch halten magst und du zwar nicht sonderlich glücklich bist, aber dich damit hervorragend arrangiert hast – dann ist dieser Artikel vielleicht nicht die richtige Lektüre für dich.

[die Vorgeschichte]

Es war Anfang 2017.
I was stuck. Super damn stuck. Ich steckte so sehr fest in meinem Leben, dass mein Umfeld (und auch ich) ziemlich besorgt waren. Bislang bekannte Tools taugten nichts mehr (oder verschlimmerten das Gefühl des Feststeckens sogar noch) und neue waren noch nicht entdeckt.

Und da es ein Stück weit ohnehin egal war, was ich täte, setzte ich mich eines Abends plötzlich hin und ließ mich von Youtube-Meditationen beplätschern.

Ich habe mich seitdem jeden einzelnen Tag hingesetzt. (Außer an einem – da war ich so verkatert, dass ich leider nicht aufrecht sitzen konnte… :D)
Dass mich eine Sache so überzeugt, dass ich sie derart unmittelbar in meinem Leben integriere, das passiert mir selten.

[der Aufbau: unkompliziert und ohne Druck]

Wisst ihr, was das Fiese am Meditieren ist? Im gängigen Diskurs kursiert ein Bild, das unerreichbar und nicht umsetzbar scheint.

Das Bild eines Menschen in einem Zustand absoluter Gedankenfreiheit. Der  nahezu über dem Boden schwebt. In einem Zustand, in dem man quasi alles an Mensch aufgeben muss, das man ist, um dahin zu gelangen.

Wie gut klappt es bei dir, auf Kommando einfach mal alles Denken und Fühlen und Personifizierte aufzugeben?
Und wenn es nur für 5 Minuten ist?

Alle Wette, dass es mindestens einen Gedanken gerade in dir gab, der sagte, dass du das nicht kannst.

… Ach, komm schon! Nur 5 Minuten!!

Wird der innere Widerstand größer? Ja?

Mein Kopf würde da immer deutlicher ausdrücken, was das für ein Schwachsinn ist, das könne er nicht. Könne er auch nicht verantworten. Vielleicht gibt es auch noch ein paar Gründe, warum nicht: „Heute hab ich wirklich nicht die Ruhe.“ „Gerade ist es einfach zu stressig!“ „Puh, vielleicht mal, wenn ich weniger aufgewühlt bin…“ „Ich muss ja gleich schon wieder los.“ „Vielleicht besser heute Abend [morgen Früh, nach dem Sport,…], dann ist […].“

Hocheffizient, wirklich! Hätte ich auch wirklich keine Lust zu!

Gut, dass das Bild absoluter Unfug ist.

Denn es geht nicht um irgendeinen Zustand, den man erreichen muss, sondern es geht um genau den Zustand, der gerade da ist.
Also ruhelos, gestresst, aufgewühlt und unpassend. Wie man sich selbst in dem Moment gerade auch immer betiteln mag. Vielleicht gibt es ja auch liebevollere Zustandsbeschreibungen?
Es geht darum, trotz der ganzen so verführerischen Argumente im Kopf, es einfach zu machen.

„Be. Don’t try to become.“

Osho. Mein Motto 2017.

„Und dann braucht man ja auch noch den richtigen Ort dafür…“
Ja, es macht Sinn, nicht im Großraumbüro anzufangen. Das heißt aber nicht, dass das nicht auch geht!
Ich meditiere inzwischen überall. Bevorzugt alleine in Räumen (oder noch besser: draußen in geiler Natur), aber ich stellte fest – es tut auch ein Bett im 12-Bett-Hostelzimmer! Nicht optimal, aber es ist möglich. Für mich das wichtigste: mich irgendwie abschotten zu können, z.B. durch eine Tür oder  Ohropax/Kopfhörer.

„Und so sitzen kann ich auch nicht!“
Das Sitzen. Da gibt es auch ganz unterschiedliche Bedürfnisse in Bezug auf die Position: einige sitzen, knien oder sitzen im Schneidersitz – und einige Liegen (da schlafe ich leider zu schnell ein. Mir hilft aufrechtes Sitzen bei der Achtsamkeit).
Ich habe zuerst im Schneidersitz angefangen (mit vielen Kissen unterm Po und den Knien) und sitze immer noch so, wenn ich unterwegs bin. Für zuhause habe ich mir ein kleines Bänkchen zum Knien gezimmert.
Im Zweifelsfall: Schlafen die Füße ein, dann tun sie wenigstens nicht mehr weh!;) Es wird besser werden!

Mach es dir anfangs so unkompliziert wie möglich und dann zunehmend so schön und bequem wie möglich. Schneidersitz tut irgendwann weh, z.B. im Rücken? Dann probier doch tatsächlich mal das Knien, z.B. auf einem großen härteren Kissen zwischen den Beinen. Die Sitzposition ist wirklich nichts, wo du dir irgendetwas schmerzlich beweisen musst.

 

[Ablauf]

Phase 1: Mein Einstieg verlief über Youtube-Meditationen. Da lohnt es sich, sich ein wenig durchzuklicken, bis man einen Kanal gefunden hat, wo einem die Stimme und das Tempo und der Stil gefällt. Ich hatte nach ein paar Tagen diese beiden Lieblingsmeditationen: ‚Change is possible‚ und ‚Surrender‘ von Jason Stephenson.
Es ist einfach eine sehr schöne, seichte Form inneren Widerstand oder Leistungsdruck abzubauen, wenn man sich von jemand anderem erzählen lässt, dass alles richtig so ist, wie es ist.
Dass man sich nicht verstellen muss.
Dass man einfach akzeptieren kann und akzeptiert ist.
Unterschätzt nicht, wie heilsam und wertschätzend diese vielleicht etwas esoterisch-gewöhnungsbedürftigen Worte für ein ausgelaugtes und mit Selbstzeifeln überladenes Herz sein können!

Phase 2: Nach ein paar Wochen bin ich mehr oder weniger zufällig zum offenen Abend des buddhistischen Zentrums hier in der Nähe gegangen. Da dreht sich natürlich alles in erster Linie um Meditation. Die zwei dort praktizierten Meditationsformen werden erklärt: es handelt sich um die ‚Vergegenwärtigung des Atems‘ und die ‚Mettabavena‘ (Aufbau von liebevollem Mitgefühl), die die Zeitspanne in einzelne Phasen mit klaren Aufgaben unterteilen.

Super, ein Auftrag macht die Dinge ja immer einfacher.

Ganz relevante Erinnerung, die dort im Hauptraum des Zentrums hängt:
„Es geht beim Meditieren nicht darum, gute Meditationen zu haben, sondern um die Transformationen, die angestoßen werden.“

Der Hauptteil meiner Praxis fand und findet aber zuhause statt. Jeden Morgen zwischen dem Duschen und dem Frühstücken.

Nach ein paar Tagen mit diesen beiden Meditationen passierten erstaunliche Dinge in mir:
Ich merkte, wie sich meine Beziehung zu mir selbst und dadurch zu anderen Menschen veränderte. Es gab weniger den Impuls mich zu ummauern und mich und andere zu kritisieren. Es entwickelte sich ein Impuls zu geben, der einfachen Freude am Teilen wegen.

Phase 3: Die Grenzen von (Meditations-)Techniken wurden mir zu eng. Das ist nicht das, worum es mir dabei geht: einem Plan folgen.
Also folge ich inzwischen dem, was gerade da ist. Atme und verbinde mich mit meinem Körper. Genieße in Stressphasen diese Zeit, die ich mir geblockt habe, um hemmungslos ‚ich‘ zu sein, ohne Erwartungen zu entsprechen.

Ich meditiere morgens in etwa eine halbe Stunde. Mir hilft der ‚Insight Timer‘  – ein tolles, kostenloses Tool, das neben flexiblen Timerfunktionen und angenehm atmosphärischer Hintergrundmusik auch einen gewissen Community-Gedanken mitträgt. Ich würde mich freuen, euch da mal virtuell zu sehen!
Das Meditationszeitfenster ist fest in meiner Routine verbaut. Es gibt also keine inneren Verhandlungen mehr.

Was mach ich, wenn meine Motivation schwindet?
Ich setze mich trotzdem hin. Ich bin ein relativ großes Gewohnheitstier (wie so viele Menschen unter uns) und merke immer wieder, wie gut es mir tut, mich einer Routine hinzugeben – vor allem morgens. Alleine deswegen setze ich mich hin. Und dann kann es passieren, dass das total gut tut und die Motivation stark steigt.

Oder es ist eher anstrengend. Um es jetzt mal ganz klar zu sagen: selbst nach einem Jahr Meditation würde ich sagen, dass ein Zustand von Gedankenfreiheit eher mal zwischendurch kommt. Manchmal bin ich minutenlang in irgendwelchen Planungen versunken.
Wenn ich das bemerke, denk ich ‚Ups‘, erfasse nochmal grob das Thema, das mich gerade so beschäftigt hat, und lenke dann meine Aufmerksamkeit wieder ins Jetzt: auf den Atem, darauf, wie sich mein Körper anfühlt und der Atem in ihm, und die Geräusche in meinem Umfeld sich anhören.

Würde es mir nicht so viel geben, dann hätte ich keine Probleme damit, diese Zeit aus meiner Routine wieder zu bannen. Das kam mir noch kein einziges Mal in den Sinn.

Und es ist auch keine Form des Nichts-Tuns. Dieses Zurückholen des Fokus – das erfordert Konzentration. Mit der Zeit merkte ich, wie viel das auch mit Training zu tun hat. Und bemerkte, dass es zunehmend leichter fällt.

Aber ist das dann nicht am Ziel vorbei – Training und Anstrengung? Ich suche doch hier nach Entspannung! – Genau das ist der zentrale Punkt. Erwartet ihr schnelle Resultate in Form von messbarer Veränderung, dann besteht das Risiko des Frusts.
Ich mache das, weil ich damit erstmal ganz klar den Raum für mich selbst abstecke, den ich brauche. Und ich priorisiere eine gewisse Zeit, in der ich eben nicht funktionieren muss.
Ich weiß nicht, ob diese Motivation bei euch auch wirkt. Ob ihr manchmal so abgefuckt seid, von dem Input und dem Beeinflusstwerden und Reagieren- und Interagierenmüssen, dass ihr euch fragt, wo ihr eigentlich Zeit und Raum findet. Genau diese Frage, habe ich mir mit meinem „einfach da sitzen“ beantwortet.
(Und wenn ich den Raum hatte – immer her mit dem Reagieren und Interagieren und Informationenprozessieren!)

[Inspiration]

Es gibt schon viele Ressourcen zu dem Thema. Sehr viele.

Guckt doch mal bei Conni Biesalski rein (eine meiner absoluten Inspirations-quellen der letzten Monate) und nehmt die Tipps von Sandro (ACTforLIFE) und Sandra Ciura mit!

Ein Video, das mir ganz besonders am Herzen liegt, ist von Mooji:

[Fazit]

Letztendlich geht’s aber darum, es einfach zu machen. Und es sich einfach zu machen. (Sich) nicht mit Erwartungen zu erdrücken, sondern einfach zu schauen, was passiert. (Ich gestehe, dass der Titel dieses Texts die Erwartungsarmut nicht unbedingt unterstützt.)

Für mich war es ein Weg, der Welt zu sagen, „fuck off, ich kümmere mich jetzt ’ne halbe Stunde nicht um dich, sondern ausschließlich um mich selbst!“. Mir meinen Raum zurückzuerobern. Den ich nicht mehr hergeben werde.

„Soon, you’re going to love it so much that you don’t want to practise anything else.“
Mooji

Ich würde sehr gern wissen – was sind eure Erfahrungen mit Meditation?
Was motiviert euch, dran zu bleiben oder was hält euch davon ab?
Was bräuchtet ihr in eurem Leben, um dem Raum zu geben?
Oder ist es vielleicht etwas ganz anderes, mit dem ihr euch selbst Raum gebt? 🙂

Veröffentlicht von

Tizia

Tizia Macia ist ein Menschenskind, das erst einmal Fragen stellt. Viele Perspektiven betrachtet. Lösungen sucht. (Angehende) Ökonomin. Mediatorin (120 Std. Ausbildung nach §5 Abs. 2 MediationsG). Hippie-Herz. Queer. Visionärin. Und Spielkind.

4 thoughts on “Steckst du fest, dann sitz still – meditieren, einfach und wirkungsvoll”

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