Die Perspektive wechseln: der effektive Weg die Schuhe anderer probezutragen

Tool: Perspektivwechsel.

[aus der Werkzeugkiste.]

In unsicheren, emotional aufgeladenen Momenten ist es manchmal schwierig, diese offene, verständnisvolle und empathische Wertschätzung zu wahren. Die sich sonst viel leichter durch den Tag trägt.

Das habe ich vor ein paar Wochen gemerkt. Ein Konflikt mit einem Kollegen wanderte viele Kilometer durch die schottischen Highlands mit. Zwar definitiv nicht der schlechteste Moment, um sich mit solchen Themen auseinander zu setzen. Aber trotz langsam eintretender Friedlichkeit konnte ich das Thema nicht komplett loslassen.

Es gibt super viele extrem gute und effiziente Instrumente im Umgang mit dem Inneren. Gerade in Konflikten gibt es eins, das ich hier mit euch teilen mag.

Um den eigenen Frieden wieder zurückzugewinnen.
Und das dringende Bedürfnis loszulassen, zu kämpfen und sich zu verteidigen.
Also die Voraussetzungen herzustellen, konstruktiv miteinander zu sein.

Ich habe die Übung direkt nach meinem Urlaub kennengelernt – im Rahmen meiner Mediationsausbildung. Zuerst war ich unsicher, ob ich diesen oder nicht doch einen anderen Konflikt für die Übung auswählen soll (hatte ich ihn ja schon so detailliert während vieler Kilometer Wanderung betrachtet). Im Endeffekt war der Effekt aber enorm.

Deswegen würde ich dieses kleine Gedankenexperiment euch gerne vorstellen:

[Aufbau]
Wir haben uns zu zweit zusammen getan. So konnte man sich der Anleitung einer anderen Person hingeben und noch genauer in sich hinein hören. Ich fand das erleichternd, habe aber auch schon festgestellt, dass das Gedankenexperiment schriftlich oder in meinem Kopf außerordentlich transformativ sein kann.
Es werden drei Positionen bestimmt: „Ich“, „Du“ und „Meta“. Ob man das mittels Zetteln oder mit Stühlen oder einfach mit anderen Orten macht, das ist irrelevant an der Stelle.

Perspektivenwechsel führt zu Empathie. Photo Credit: L. Bartnik

[Vorgehen]
Das Vorgehen ist simpel. Man begibt sich nacheinander an alle drei Positionen und schildert den Konflikt und die damit einhergehenden Emotionen. Was wirklich den Unterschied in der Tiefe an der Stelle ausmacht, das sind die Fragen.

Schema (bei Zweierarbeit):
Person A schildert kurz die Eckdaten des Konflikts.

Wird von Person B aufgefordert, sich an die erste Position „Ich“ zu begeben und wird aus der ‚eigenen‘ Position noch tiefer gehend befragt: „Wie geht es dir hier?“, „Was denkst du hier über die andere Konfliktpartei?“ und „Was denkst du über die Situation?“.

Wenn Person A alles für sie wichtige darlegen konnte, wird sie von B aufgefordert an die zweite Position „Du“ zu gehen. Jetzt zeigt sich meist das erste Mal die Macht von der Übung.

Hier werden A ähnliche Fragen gestellt wie auf der Position zuvor:
„Wie geht es dir hier?“
„Was denkst du über den_die Kommunikationspartner_in?“
„Wie denkst du hier über die Situation?“

Ist hier alles relevante ausgedrückt worden (meistens reichen pro Position etwa fünf Minuten), dann bittet B die Person A, die Metaposition einzunehmen. Hier geht es darum, einen Blick von außen auf mögliche Muster und Gemeinsamkeiten zu gewinnen. Häufig erleichtert das auch eine Lösungsfindung, in meinem Fall wurde mir allerdings auch klar, dass es eine gemeinsame Lösung nicht geben wird.

Mögliche Fragen hier sind:
„Welche Reaktionen der Kommunikationsparteien sorgen dafür, dass immer wieder das Gleiche zwischen ihnen passiert?“
„Wie interpretiert die ‚Ich‘-Position das Verhalten der ‚Du‘-Position?“
„Wie interpretiert die ‚Du‘-Position das Verhalten der ‚Ich‘-Position?“
„Gibt es gemeinsame Interessen, die die beiden erbinden?“

Ein Bonus ist es, wenn die einzelnen Positionen im Anschluss noch ein weiteres Mal besucht werden mit den Fragen „Wie wird die Situation jetzt wahrgenommen? Was hat sich verändert?“.

[Fazit]
Sobald ich mein Gegenüber verstehe, löse ich die Unvereinbarkeit auf und kann meine Sicht und die andere Sicht stehen lassen.

„Alles Verstehen heißt alles verzeihen“
– Buddha

3 thoughts on “Die Perspektive wechseln: der effektive Weg die Schuhe anderer probezutragen

    1. faltbar, flexibel, nützlich und natürlich (ultra)light – wie die perfekte Campingausrüstung. Freut mich, wenn sie in deinem Rucksack Platz findet. 🙂

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